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Autor Beitrag
000
10.12.2003, 00:12
gaddo



Da es anscheinend gerade Mode ist, seine mehr oder weniger wundervollen Geistesergüsse in Form von mehr oder weniger kurzen Geschichten zum Besten zu geben, möchte auch ich dieses Forum mit meiner, auf gut "das versteht doch sowieso keine Sau"-Deutsch, Diarrhoe füllen. Kommentare sind natürlich mehr oder weniger erwünscht, genau so wie ich mich freuen würde, wenn jemand mehr oder weniger viele Rechtschreibfehler finden und diese mir auch mitteilen würde, so dass ich das Ding endlich an den Verlag schicken kann ;)

Nun denn, auf in den Kampf, wühlt euch mal schön durch den Haufen:

MINDBUG

Die absolut tödlich normale Dose rollte mit einem völlig normalen Scheppern gegen einen normalgrünen Laternenpfahl und blieb dort, dem normalen Willen der Natur folgend, liegen, bevor sie normal ein Stückchen nach oben sprang und blieb. Seine Schuhe knirschten weiter den Asphalt unter seinen Füßen als er seinen normalen Weg weitergleitete.

Es war ein normaler Tag. Wie immer schwebten die purpurnen Wolken über seinen Kopf hinweg auf eine Stelle am Horizont zu, weit außerhalb seiner Welt. Wie jeden Tag schlugen große verzerrte Hämmer Löcher in den weichen Boden, und wie jedesmal schlossen tausende Arbeiter die Wunden wieder. Er wusste nicht warum, aber es war normal. Es war seine Welt.

Er hatte sich wieder einmal mit seiner Freundin gestritten, wie sie es so oft taten, und wieder einmal hatte er sie allein zurückgelassen. Hatte seine Jacke genommen und war gegangen.
Er hoffte es würde regnen.
Seine Schritte trugen ihn zu dem Ort, an den sie ihn immer brachten, wenn seine launischen Rippen wie lange warme Krallen herausbrachen und andere Seelen stachen. Dort konnten sie niemanden verletzen. Er hatte den Streit vom Zaun gebrochen, wegen einer nichtigen Lapalie. Er hatte schon wieder vergessen, warum.
Wie immer.
Er fühlte sich mies, so wie er sich jedesmal mies fühlte wenn er sie wieder einmal angeschrien hatte. Er hoffte sie würde ihm wieder einmal verzeihen können. Er schmeckte Salz auf seinen Lippen.

Als er am Fluss ankam brach die Sonne heraus. Die Wiesen dampften ihren Lebenssaft in den Himmel, wo er sich mit den Wolken vermischte. Er bemerkte erst durch die Hitze wie kalt es davor gewesen sein musste, und fröstelnd ließ er die Erinnerung in der Wärme schmelzen.
Er betete es würde regnen.
Seine Augen, langsam gleitend, focussierend, beobachtend, wägten die schwerfälligen Bewegungen der Hämmer ab. Sie erinnerten ihn an große, brutale Pranken, bereit alles zu zerstören, nur um kurz darauf wieder zu heilen. Gedankenversunken hielt er seine schimmernde Hand vor das Bild der gewaltigen Hämmer in der nahen Ferne. Schon oft hatte er überlegt wie es wäre, sie zu schlagen, sie zu zwingen ihm zuzuhören. Doch er hatte es nie getan.
Er fühlte sich mies.
Langsam setzte er sich auf und betrachte noch einmal die Wolken, dann ging er zurück. Eine Brise führte einen leichte Duft von Kupfer in seiner Nase.
Er wünschte es würde regnen.

Als er nach Hause kam war sie verschwunden. Er hörte das kreischende Geräusch des Fernseher durch ihre Türe. Es stach ihm in den Ohren. Sie zog sich immer zurück nach einem Streit, es war normal. Nur heute brachte dieses Geräusch sein Gehirn zum überkochen, seinen Geist zum Platzen. Er hatte furchtbare Angst, sie würde ihm diesmal nicht wieder verzeihen. Er ging ins Bad und drehte den Hahn auf, um das Gekreische zu übertonen. Gedankenverloren wusch er sich etwas rotbraunen Dreck von den Armen. Das Wasser tat gut, es machte ihn rein. Er sah durch das kleine schmale Fenster hinaus, stellte sich vor, wie es wäre, wenn große Tropfen an die Scheibe schlagen würden. Das Geräusch dröhnte in seinem Kopf. Er merkte, dass das Wasser noch lief. Er stellte es ab und trocknete seine Hände und sein schweißnasses Gesicht. Er hatte Angst. Etwas rötlicher Schmutz klebte in dem Handtuch, stach aus dem Weiß heraus. Es musste Staub von den Hämmern sein, aufgewirbelt von ihrem unermüdlichen Zerstören. Er löste seinen widerwilligen Blick. Er musste sie um Verzeihung bitten.

Er breitete die Arme aus und ließ sich fallen. Er spürte, wie er leichter wurde, mit jedem Gedanken, den er hinter sich ließ. Seine Füße verloren den Halt an dem kalten, riesigen Stahlskelett. Er blickte hinauf in den Himmel, und obwohl er weiter fiel, schien er darauf zuzufliegen. Es war ein wunderschöner Anblick, und er war frei. Er ließ immer mehr Gedanken im Wind hängen als er weiterflog. Den Anblick, als er sie wieder sah. Das Blut, purpurn wie die Wolken. Die Erinnerung, wie sie sich auf ihn stürzte und ihn zu Boden warf, ihn mit Bildern quälte. Der Hammer, der neben ihr lag. Er blickte zur Seite und sah ihn mit sich fliegen, wie ein Gefährte. Er begann zu lächeln, als er wieder nach oben blickte und die letzten Gedanken fortschweben sah. Er war frei. Nur einen Gedanken hielt seine Seele mit aller Kraft fest, weich umschmiegt.

Er würde sie um Verzeihung bitten.

Es begann zu regnen.

Danke fürs Lesen.

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001
10.12.2003, 09:36
WareWolf



Ich würde den ersten Absatz komplett weglassen, also bei "Es war ein normaler Tag.." beginnen. Oder vielleicht: "Es war kein normaler Tag. Dennoch schwebten wie immer ..."

Den Rest finde ich sehr gut geschrieben, in der Ich-Form käme es vielleicht noch besser rüber.
Allerdings verbreitet die Story eine ziehmlich trostlose Stimmung, aber ich denke, das ist Absicht.
Gefällt mir.

--

Sig as a brick ┴┬┴┬┴┬┴┬┴┬┴┬┴
WW

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002
11.12.2003, 20:40
WareWolf



hmmm, komisch, wenig Reaktion auf seinen Post. Auf die "leichtere Kost" von Kurzgeschichten hier postet doch jeder (?!)

--

Sig as a brick ┴┬┴┬┴┬┴┬┴┬┴┬┴
WW

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003
11.12.2003, 23:18
ThunderRabbit



naja, ich finde die geschichte eigentlich ziemlich gut! nur bin ich mir nicht so sicher, was ich mit dem letzten absatz anfangen soll... stirbt er da oder was? wenn ja wieso?

vielleicht bin ich shcon zu müde um das zu verstehn... sonst find ich die geschichte sehr gut... achja, die hämmer sind verwirrend

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004
12.12.2003, 16:04
warri



wirklich gute geschichte, ist sehr gut zu lesen und noch recht spannend geschrieben aber auch ein bisschen verwirrend (hämmer, das ende, etc.)

mir gefällt sie, weiter so! :D

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Dieser Beitrag wurde am 12.12.2003 um 16:04 von Warrior2k bearbeitet.
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005
12.12.2003, 16:31
gaddo



Warewolf: ja doch, der erste Absatz, der ist wirklich nicht so das wahre.. ich hab mir auch ernsthaft überlegt, ihn rauszunehmen, hab dann aber doch beschlossen ihn drinzulassen. auch erste absätze haben ein recht zu existieren! viva la revolutione!

vielen danke den andern, für diese odch ziemlich positive resonanz. erklären werd ich hier gaanix :Þ, jedoch ist vielleicht zu sagen, dass ich die egschichte doch in einer ziemlich depressiven phase geschrieben habe.

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