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Autor Beitrag
000
03.12.2003, 16:19
frag-u-all



So, hier nun meine zweite Kurzgeschichte. Die Idee dazu ist mir wieder plötzlich eingefallen. Der Schreibstil ist diesmal etwas anders. Sie beinhaltet auch einige Stilistische Mittel, mal schaun ob ihr sie findet. Den Hintergrund der Geschichte werdet Ihr wohl alle sehen.

Eine Schöne Stadt

by Simon Sonntag

Die Tage werden langsam immer kürzer und kälter. Der Winter hat bereits begonnen. Doch was für ein Tag ist heute? Es müsste Ende November sein. Die Stadt ist sehr schön, wunderschön. Wie lange lebt er schon in dieser Stadt? Er kann sich nicht mehr daran erinnern, wie an Vieles. Seit dem Autounfall vor drei Jahren, der ihn für eine lange Zeit ans Bett band, reglos und ohne Träume, kann er sich nur noch schwer an Dinge erinnern. Ja, manchmal hat er sogar regelrechte Ausfälle. Nicht nur so normale Geschichten, wenn Leute im Einkaufszentrum stehen und nicht mehr wissen was sie kaufen wollten. Nein, manchmal kann er sich nicht mehr erinnern was in der letzten Stunde geschah. Was hat er in dieser Zeit gemacht? Hat er mit jemanden gesprochen oder saß er einfach nur auf seinem Sofa? Er hätte in dieser Zeit jemanden umbringen können und würde sich nicht mehr daran erinnern. Dieser Gedanke macht ihm Angst. Es ist eine schöne Stadt. John Neely Bryan hatte sie in den Vierzigern gegründet. Wieso fällt ihm gerade dieser Name ein? Heute soll diese Stadt noch bekannter werden. Jeder soll über sie sprechen. Doch wieso?
Er steht vor einem alten Lager. In der Straße versammeln sich einige Menschen. Eine regelrechte Menschenmenge. Irgendetwas zieht ihn in dieses Lager. Doch was? Er hat dort nichts zu suchen. Der Drang ist stärker als sein Verstand und so betritt er es. Einem langem Gang folgt eine schmale Treppe. Alles kommt ihm bekannt vor. Doch woher? Der fünfte Stock, der fünfte Stock soll es sein. Der Aufstieg ist mühsam, denn die Stufen sind klein. Er mag keine kleinen Stufen. Man rutscht so leicht ab und man muss aufpassen nicht zu stolpern. Endlich der fünfte Stock. Das zweite Zimmer auf der rechten Seite, das erste Fenster von links. Das ist es, das wird es sein. Er muss ruhig bleiben, darf nicht aufgeregt sein. So hat man es ihm gelehrt. Es ist in dem Schrank neben der Bücherkiste. Es hat ein großes Kurvenvisier und ist sehr präzise. Angelegt am Fenster kann er damit sogar die Augenfarbe jeder Person auf der Straße erkennen. Braun müssen sie sein und schwarze Haare soll er haben. Er sieht das Gesicht vor sich, dort im Wagen. Drei laute Schreie sind zu hören, gefolgt von vielen weiteren Schreien kommend von der Straße. Er muss es geschafft haben. Die Tat, der Drang wofür er hier ist. Das Ding in seiner Hand braucht er jetzt nicht mehr. Hinter einer Kiste sollte es sicher sein. Keinen Grund gibt es mehr länger in diesem Haus zu bleiben. Sein Auto steht in einer Nebenstraße. Warm ist es dort, ein sicherer Platz in dieser kleinen Straße in der schönen Stadt.
Eine große Menschenmenge hatte er gesehen und nun diese Straße. Wie ist das möglich? Nein, nicht schon wieder...

c&c welcome

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28:06:42:21

They made me do it!

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001
03.12.2003, 16:29
Vinny



Was mich stört:

Die Sätze sind arg kurz, spiel ein bisschen mehr mit den Satzaufbau, setze mehr Kommas, lies es dir selbst laut vor. Du wirst bemerken wie man automatisch bei jeden Punkt, Fragezeichen und Ausrufezeichen eine Pause macht um den nächsten Satz zu beginnen. Somit stockt die Geschichte immer wieder (zumindest bei mir)...

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002
03.12.2003, 16:34
frag-u-all



Der Satzbau ist elliptisch (eines der Stilistischen Mittel) und dient einer bestimmten Funktion. In der Mitte des Textes kommt dieses Mittel verstärkt zu tage. Es soll regelrecht stockig sein, wie die Bewegungen eines Roboters.
Den Rest lass ich dir selbst zum weiterdenken.

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28:06:42:21

They made me do it!

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003
03.12.2003, 18:08
Retrix



Das Ding ist genau so wenig eine KurzgesCHichte wie die andere.
Eine Kurzgeschichte hat nie eine Einleitung sondern beginnt immer mittendrin (Da gibt's jetzt bitte keine Diskusion, weil das ne Tatsache is', und jeder der Im Deutschuntericht aufgepasst hat, muss das wissen) . Über alles was vorher war und sich über einen längeren Zeitraum ersteckt hat darfst du wenn überhaupt erst in der Mitte aufklären.
Das was du da gemacht hast ist eher eine kurze Geschichte als eine Kurzgeschichte, jedoch fehlt für eine kurze Geschichte das Ende. Und das deutet natürlich gleich auf einen dicken Fehler hin:
Deine Erzählung hat einen viel zu langen Anfang und ein viel zu kurzes Ende.
Ausserdem wird auf die Pointe bereits in der Einleitung hingewiesen, auch das isn' dicker Fehler.
Ansonsten gefallen mir deine kurzen Sätze nicht. Echt nicht. Nein sie gefallen mir nicht. Oder doch? Nein. Eigentlich nicht. Eigentlich?

--

...und ich bin nicht ReFlex.

Menschen gegen Wolken


Dieser Beitrag wurde am 03.12.2003 um 18:09 von Retrix bearbeitet.
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004
03.12.2003, 18:14
chriss



Wtf? was laberst du denn da? Das ding hat doch überhaupt keine Einleitung.. es fängt mittendrin an o_O

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005
03.12.2003, 18:20
Infi



Zitat:
Eine Kurzgeschichte hat nie eine Einleitung sondern beginnt immer mittendrin (Da gibt's jetzt bitte keine Diskusion, weil das ne Tatsache is', und jeder der Im Deutschuntericht aufgepasst hat, muss das wissen)
omg nein deutsch pah...

"nein, das ist kein gedicht! da folgt es nicht der und der regel... und das is komisch und überhaupt und hättest du im deutschunterricht aufgepasst wüsstest du dass man da nur das und das machen darf"

affenschnieke o_O samma... das läuft bei mir manchmal unter kunst und da darf man machen was und wie man es will. punktaus

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006
03.12.2003, 20:21
Retrix



nox: Bis zu "Er steht..." ist es auf jeden Fall ne' Einleitung. Der Großteil ist im Gegensatz zum Hauptteil in der Vergangenheit geschrieben. Dazwischen gibt es zwar einige Wechsel zum Präsens, diese haben jedoch nichts konkretes mit dem aktuellen Geschehen des Hauptteils zu tun.

Infi: Natürlich kann man machen was man will, aber Genre bleibt Genre und mit der Einleitung ist das da eben keine Kurzgeschichte. Ich darf zwar ein rotes Quadrat auf gelben Hintergrund malen, jedoch wäre es nicht richtig zu behaupten das sei Naturalismus.

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...und ich bin nicht ReFlex.

Menschen gegen Wolken


Dieser Beitrag wurde am 03.12.2003 um 20:21 von Retrix bearbeitet.
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007
03.12.2003, 20:55
ThunderRabbit



also zuerst einkleiner fehler: du schreibst es ist schon winter... im NOVEMBER??? winter fängt erst mitte dezember an... egal, wollts nur ma gesagt haben:)

dann zum letzten satz: der hat mich irritiert! "[..]hatte er gesehen[...]" wieso VORvergangenheit... die restliche geschichte ist doch im präsens!

dann zur geschichte: ich find sie toll! besonders der stil gefällt mir, womit die idee/inhalt, wie ich finde, super dargestellt wird! die fragen und kurzen sätze habens mir irgendwie angetan...
fazit, ich find die echt gut!!!

zur kritik: ich finde es schwachsinnig zu diskutieren ob das nun ne kurzgeschichte ist, weil es ne einleitung hat... noch nie was von künstlerischer freiheit gehört? und was es letzendlich ist ist doch sch**ß egal!

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008
03.12.2003, 21:21
frag-u-all



Jo danke für Eure Kritiken. Aber ich stimme ThunderRabbit zu, es ist doch vollkommen egal ob es jetzt nach den "Regeln" eine Kurzgeschichte ist oder nicht. Ich halte mich sowieso nicht an irgendwelche Vorschriften. Und ob die gesamte Geschichte eine Einleitung ist oder es keine gibt ist wohl dem Verfasser zu überlassen.

Danke ThunderRabbit für deine positive Resonanz. Mit dem Winter im November hast du recht. Der Satz wird nun "Der Winter wird bald hereinbrechen" heißen. Die Vorvergangenheit hab ich auch rausgenommen. Du hast recht hier hat sie keinen Sinn.

--

28:06:42:21

They made me do it!

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009
05.12.2003, 11:02
Braindead



Zitat:
Eine Kurzgeschichte hat nie eine Einleitung sondern beginnt immer mittendrin (Da gibt's jetzt bitte keine Diskusion, weil das ne Tatsache is',und jeder der Im Deutschuntericht aufgepasst hat, muss das wissen)
Oh Bitte, kein Autor kümmert sich um die DEUTSCHE Definition einer Kurzgeschichte, ich ebenso wenig - ich schreibe Kurzgeschichten im Romanstil, nur das Kurzgeschichten eben kürzer sind.

Der Stil muss stimmen, die Geschichte sollte einen Emotional mitreißen, spannend sein und/oder einfach nur Interesse wecken. Die einzigen Personen die dann noch etwas zu meckern hätten, wären Deutschlehrer, wenn du soetwas in einer Prüfung machst oder Besserwisser die nur mit diesem Schulwissen argumentieren - vorallem interessiert niemanden diese belanglose Definition aus dem Deutschunterricht.

@frag-u-all, dein Stil ist deutlich besser geworden. Viel spaß weiterhin.

Nur so als Anmerkung, du hast den Anfang so geschrieben:

"Die Tage werden langsam immer kürzer und kälter. Der Winter hat bereits begonnen."

Wie wäre es mit der kleinen Umformung:

Langsam werden die Tage immer kürzer und kälter; der Winter hat bereits begonnen.

Vielleicht geht es nur mir so und du musst schreiben, wie es dir persönlich auch gefällt, aber ich finde es so ansprechender.

--


Dieser Beitrag wurde am 05.12.2003 um 11:14 von Braindead bearbeitet.
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010
05.12.2003, 15:25
dErGoO



Also in jedem Fall viel besser als die erste, das Thema ist diesmal viel ansprechender.

Ein paar Anmerkungen:

1. Du solltest dem Leser nicht immer so viel verraten (weiß klingt bei der Geschichte nen Bischen abwegig), aber ich geb dir mal zwei Beispiele:

"Seit dem Autounfall vor drei Jahren, der ihn für eine lange Zeit ans Bett band, reglos und ohne Träume, kann er sich nur noch schwer an Dinge erinnern. Ja, manchmal hat er sogar regelrechte Ausfälle. Nicht nur so normale Geschichten, wenn Leute im Einkaufszentrum stehen und nicht mehr wissen was sie kaufen wollten. Nein, manchmal kann er sich nicht mehr erinnern was in der letzten Stunde geschah. Was hat er in dieser Zeit gemacht? Hat er mit jemanden gesprochen oder saß er einfach nur auf seinem Sofa? Er hätte in dieser Zeit jemanden umbringen können und würde sich nicht mehr daran erinnern. Dieser Gedanke macht ihm Angst."

- Viel zu viel Information, laß deinem Leser seine Phantasie. Ich würds irgendwie so schreiben:

"Seit dem Unfall damals hat jeder Zeitpunkt eine Lücke für ihn. Jeder Versuch sich zu erinnern fällt in ein Erinnerungsloch. Ganze Stunden können einfach so aufgesaugt werden. Angst, die hat man wenn man nicht weiß was eben war. Man hat die, und er auch."

Was ich damit meine ist, dass du deinen Platz nicht mit Informationen vergeuden solltest, die der Leser auch selber füllen kann. Der Hinweis auf den Mord, nimmt der Geschichte dabei nämlich sogar schon an Spannung. Benutz den Raum lieber um deine Sätze besser auszuformulieren und dem Text mehr fülle zu geben.

2. Verlass dich nie auf Stilmittel! Das ist meine persönliche Meinung, aber ich denke, dass ein guter Text ganz automatisch "Stil" hat, ohne, dass man sich auf irgendwelche "Mittel" konzentrieren müsste. Wenn du stockig schreiben willst, mach das einfach und überleg nicht, wie du das mit einem eliptischen Satzbau erreichst. Wahrscheinlich kommt ungefähr das gleiche dabei raus. Aber wenn man sich vorher schon darauf konzentriert besteht immer die Gefahr, dass der Text gekünztelt wirkt.

Neija wie gesagt, ist nur meine Meinung dazu, muss jeder selbst entscheiden :)

3. Zu der Satzbaudiskussion rund um "

Die Tage werden langsam immer kürzer und kälter. Der Winter hat bereits begonnen."

bzw.

Langsam werden die Tage immer kürzer und kälter; der Winter hat bereits begonnen.

...

Ich löse Zeit- und Ortsbeschreibungen normalerweise in einer Art Stichwortsätzen, weil ich die Erfahrung gemacht hab, dass man sich unter einem Wort oft mehr vorstellen kann als wenn das ganze noch durch weitere Ergänzungen eingeschränkt wird:

"Draußen kalt, drinnen warm, Tage kurz, Nächte lang. Der Winter friert diesmal schon im November."

4. "Nein, nicht schon wieder..." - Sorry, aber ich mag einfach keine "..."-denkt-euch-die-Geschichte-im-Kopf-weiter-Enden. Sowas kann man auch auf inteligenteren Wegen erreichen :)

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So. Das soll mal reichen. Alles in allem ist die Geschichte jedenfalls schonmal richtig gut gelungen, weiter so!

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Dieser Beitrag wurde am 05.12.2003 um 15:27 von dErGoO bearbeitet.
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